HOHENHORST. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann gebe ich alles, um es auch zu erreichen“, sagt Anja Stenke. Ihr Ehrgeiz wäre der Recklinghäuserin jedoch fast zum Verhängnis geworden. „Im Januar hatte ich eine große Klappe und habe getönt, dass ich zur Deutschen Meisterschaft fahre.“
Den Worten ließ die Schützin des 1. Bogen-Sport-Clubs (BSC) Taten folgen. Am kommenden Freitag ist Anja Stenke bei den nationalen Titelkämpfen in Feucht bei Nürnberg mit von der Partie. „Es war aber knapp“, gibt die Sportlerin unumwunden zu.
Ihre Zielsetzung für die DM setzt die 31-Jährige nun etwas tiefer an. „Ich möchte nicht Letzte werden“, sagt sie schmunzelnd. „Ich setze das Ziel niedrig an, weil es dann auch leicht zu erreichen ist.“ Anja Stenke fügt schließlich hinzu, dass sie es unter die besten 32 Starterinnen schaffen und sich für ein Finale qualifizieren will. 42 Teilnehmer ist das Starterfeld in der Damenklasse stark.
Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass die Recklinghäuserin ihr bislang bestes DM-Resultat –als Jugendliche wurde sie Vierte- in Feucht feierte. Diese Platzierung sei schwer zu toppen, ahnt die Recklinghäuserin. Die Konkurrenz aus Berlin, Hessen oder Bayern sei zu stark. Die Favoritinnen erzielen 620 Ringe, erzählt die BSC-Schützin. Stenke selbst hofft, irgendwann die magische 600-Ringe-Grenze zu knacken. Ihre Bestleistung liegt aktuell bei 557.
Anja Stenke ist nicht die einzige Aktive des 1. Bogen-Sport-Clubs (BSC), die sich für die Deutsche Meisterschaft in Feucht qualifizieren konnte. Am Samstag wird es für Jan Müller in der Jugendklasse ernst. Mit 585 Ringen qualifizierte er sich ungefährdet für den Titelkampf.
Diese will die Recklinhäuser Bogenschützin möglichst schon am Freitag verbessern. Anja Stenke hat sich in den letzten Wochen intensiv auf das Turnier vorbereitet. In diesen Tagen ist die 31-Jährige nur noch auf der BSC-Anlage am Stadion Hohenhorst, „um ein Gefühl für die Entfernung zu bekommen“. Zunächst fehlte daher die Auflage auf der 70 Meter entfernten Scheibe. Der Feinschliff kommt erst kurz vor der DM.
Einen Übungstag hat die Schützin zu einem besonderen Krafttraining genutzt und insgesamt 150 Pfeile mit ihrem Bogen gespannt. Denn im Idealfall könnten es für Anja Stenke am Freitag 160 werden. Knapp 100 hat sie schon sicher. Nach 24 Trainingspfeilen folgen in der Vorrunde zwei Durchgänge à 36. Liegt die Recklinghäuserin dann unter den besten 32, geht‘s weiter.
Die 150 Trainings-Pfeile hätten ganz schön geschlaucht, gibt die Sportlerin zu. Einerseits habe sie „ein ordentliches Zuggewicht“, erzählt Anja Stenke, das vergleichbar mit dem Gewicht eines Wasserkastens sei. Andererseits müsse sie sich auf jeden Versuch konzentrieren. Kein leichtes Unterfangen am Hohenhorst, wenn wenige Meter weiter Basketbälle gegen die Bretter knallen.
Davon wird Anja Stenke in Feucht nicht abgelenkt. Sie weiß, dass sie dort optimale Bedingungen vorfindet.
Für die Recklinghäuserin ist es der erste DM-Start bei den Damen. Als Jugendliche war sie sozusagen Stammgast bei nationalen Titelkämpfen. Stenkes Bogensport-Anfänge liegen 20 Jahre zurück. Als BSC-Trainer Benno Hoffmann, der Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium ist, eine AG gründete, war die Sechstklässlerin dabei. „Ich habe ein Faible für verrückte Sachen“, lacht sie. Als sich sechs Monate später die AG-Trainingszeiten durch den Wechsel in die Halle änderten, bekam Anja Stenke wegen einer Terminüberschneidung mit ihrem Klavier-Unterricht ein Problem. Sie fragte ihren Lehrer, ob sie zum 1. BSC wechseln könne, der andere Trainingszeiten hatte. Gesagt, getan. Und ein halbes Jahr später hatte die Schülerin das erste DM-Ticket in der Tasche. Weitere folgten in den nachfolgenden Jahren.
Das bezeugt ihr Bogen-Koffer, den einige Startnummer-Aufkleber schmücken. „Auf der Rückseite ist noch viel Platz“, sagt Anja Stenke augenzwinkernd.
Layout: Anja Stenke (2006)
Grafiken: Rüdiger Stenke (2006)
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